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14.11.2011

Innenstadterneuerung Mönchengladbach: Mit Volldampf für Rheydt
Eine weitere nordrhein-westfälische Stadt hat sich nun aufgemacht, mit einer konzertierten Aktion eine neue Zukunft für ein „in die Jahre gekommenes“ Nebenzentrum zu entwickeln. Mit viel medialer Aufmerksamkeit wurde in Mönchengladbach-Rheydt nun ein leer stehendes Ladenlokal in der Hauptstraße zum Motor für die zukünftige Entwicklung dieses Standortes reaktiviert: Hier wurde die „City Werkstatt Mönchengladbach-Rheydt“ eröffnet, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt gemeinsam mit Fachleuten vom Planungsbüro Dr. Jansen aus Köln zukünftig nicht nur soziale und kulturelle Projekte anstoßen und begleiten werden, sondern sich auch gezielt um eine Aktivierung privater Einzeleigentümer und privater Investitionen in die Zukunft dieses Standortes bemühen werden. Mehr Informationen zu diesem engagierten Neustart für das Zentrum von Mönchengladbach-Rheydt finden Sie hier.

Stadtumbau in Siegen-Geisweid: Bürgermeistersprechstunde im Public Living Room
Am vergangenen Donnerstag gab es hohen Besuch im Public Living Room Geisweid, einem der Leitprojekte der Strategie einer aktivierenden Jugendbeteiligung am Stadtumbau, die von der Innovationsagentur Stadtumbau NRW in Siegen-Geidweid gemeinsam mit zahlreichen lokalen Partnern umgesetzt wird. In der Planungsphase zu diesem Projekt hatte niemand zu hoffen gewagt, dass die Realisierung dieses Public Living Room, ermöglicht durch eine Förderung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung [BMVBS] und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung [BBSR] im Rahmen des neuen ExWost-Schwerpunktes „Jugend belebt Leerstand“, so schnell einen so durchschlagenden Erfolg haben würde: Der Public Living Room, in einem vorher leer stehenden Ladenlokal im Geisweider Rathaus untergebracht, ist in kürzester Zeit zur beliebten Adresse für Geisweider Jugendliche geworden, die hier an den zahlreichen Aktivitäten teilnehmen oder eben mal in ihrem neuen Wohnzimmer vorbeischauen. In der letzten Woche kam Bürgermeister Steffen Mues zur Bürgermeistersprechstunde in den Public Living Room. Die große Anzahl der Jugendlichen, die dort auf ihn wartete, verblüffte ebenso wie die Ernsthaftigkeit und Differenziertheit des Dialogs, der dann entstand. Weder die Jugendlichen noch der Bürgermeister machten es sich einfach: Ernsthaft, engagiert und sehr qualifiziert wurden die Probleme der Jugendlichen ebenso diskutiert wie die Schwierigkeiten des Bürgermeisters einer Kommune mit kaum noch vorhandenen finanziellen Handlungsspielräumen. Es gab weder oberflächliche Schuldzuweisungen von Seiten der Jugendlichen noch leere Versprechungen des Bürgermeisters: Stattdessen drückte der seinen Respekt für das Engagement der Jugendlichen in diesem temporären Public Living Room durch ein unerwartetes Angebot aus: Er schlug die kurzfristige Einsetzung einer Arbeitsgruppe aus Jugendlichen und kommunaler Jugendverwaltung vor und sagte zu, zukünftig auf Vermietung und Einnahmen aus diesem Ladenlokal zu verzichten und es den Jugendlichen dauerhaft als Treffpunkt zur Verfügung stellen, wenn es diesem Gremium gelingt, ein nachhaltiges Nutzungskonzept zu entwickeln, das sich ohne zusätzliche Personalkosten realisieren lässt. Impressionen von diesem beeindruckenden Abend finden Sie hier in einer neuen Bildergalerie zum Public Living Room Geisweid.

Reportage: Landtagsanhörung zum Stärkungspakt Stadtfinanzen
Wie im Rahmen des NewsService der letzten Woche berichtet, fand am vergangenen Freitag eine Anhörung zum geplanten „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ im nordrhein-westfälischen Landtag statt. Im Rahmen der mehrstündigen Veranstaltungen kam eine Vielzahl von Positionen und Einschätzungen zur Sprache, die insgesamt das breite Spektrum der noch zu lösenden Detailfragen und insgesamt die Schwierigkeit dieses Unterfangens differenziert verdeutlichten. Neben viel Kritik an der viel zu lange von Seiten des Landes und des Bundes ignorierten Misere der kommunalen Haushalte und der aus Sicht verschiedener Fachleute zu geringen finanziellen Ausstattung des geplanten „Rettungsschirms für NRW-Kommunen“ wurden weitere grundsätzliche Bedenken und Anregungen geäußert: Sie kritisierten vor allem, dass die kurzfristige Ausschüttung von Geldern zwar eine notwendige Hilfe und Erleichterung darstelle, dass damit aber die schon lange erforderlichen strukturellen Veränderungen noch nicht erreicht werden, an denen, so die Einschätzung der Mehrzahl angehörter Experten, sich auch der Bund beteiligen müsse, um zu einer langfristigen und strukturellen Lösung des Problems zu gelangen Der Spannungsbogen zwischen Erleichterung und positiver Resonanz darauf, dass dieses Problem von der Landesregierung nun endlich angegangen wird bis hin zur Kritik an diesem Stärkungspakt als „zahnlosem Tiger“ oder „eher einer Bedrohung für die Kommunen als eine Hilfe“ zeigt, dass hier noch viel Diskussion- und Klärungsbedarf wie auch politische Lobbyarbeit notwendig ist. Ein Prozess, zu dem diese Anhörung sicherlich ein wichtiger Auftakt und Baustein war. Die kommunalen Spitzenverbände haben ihre Stellungnahme nicht nur im Rahmen dieser Anhörung vorgetragen und engagiert vertreten, sondern im Anschluss auch online veröffentlicht. Sie finden diese „Stellungnahme der kommunalen Spitzenverbände für eine Landeshilfe zur Konsolidierung“ hier.

Projekt der Woche: Indoor Camping im Berliner Hüttenpalast
Im Berliner Stadtteil Neukölln hatten zwei Existenzgründerinnen eine geniale Idee, die mit Sicherheit ein hohes Innovationspotenzial für zahlreiche Städte, Gemeinden und Stadtumbauprojekte in sich birgt. Die Frage: Wie nutze ich ohne viel Eigenkapital und Investitionskraft eine leer stehende Fabrikhalle zu einem attraktiven und Aufsehen erregenden Hotel um? Die Antwort, die so genial einfach wie spektakulär ist: Ich stelle einfach einige liebevoll restaurierte und gestaltete Campingwagen und Schrebergartenhütten rein! Und so ist es gelungen, aus einer ehemaligen Fabrikhalle ein sehr spezielles Hotel zu machen und dort, wo früher Staubsauger produziert wurden, heute ein trendiges Hotel und Indoor Camping anzubieten: Mehr Details zu diesem außergewöhnlichen Hotel und dieser beispielhaft innovativen und kreativen Umnutzungs- und Existenzgründungsinitiative finden Sie hier.

Lesetipp: SEX IN DIE CITY statt TOTE HOSE
Die Innenstädte haben ihre Anziehungskraft verloren. Sie sind nicht mehr sexy! Wie aber kommen die Städte aus dieser Falle wieder heraus? Nur etwas Lippenstift auftragen oder den Dreitagebart abrasieren, reicht da nicht aus. Es fehlt bei der Substanzarbeit. Dies sind keine neuen Erkenntnisse und entsprechende Projekte für eine grundlegende „Revitalisierung“ unserer Innenstädte und Nebenzentren sind mittlerweile Alltag im Stadtumbau. Bei dieser ganzen Alltagsarbeit und Krisenbewältigung wird in der deutschen Praxis ein Autor viel zu sehr ignoriert, der diese Debatte und, vor allem, diese Projekte mit einem ungemein frischen Blickwinkel und Wind versehen kann: Der Österreicher Prof. Dr. Karl P. Schörghuber macht seit Jahren vordergründig vor allem durch seine ungewöhnliche Begrifflichkeit und Wortwahl auf sich aufmerksam, wenn er fordert, Stadtpolitik müsse endlich dem Masochismus der „Donut-Cities“ den Rücken kehren und sich stattdessen den seit Menschengedenken geltenden Regelns der Verführung zuwenden, um eine anziehende Stadterotik schaffen. Da wird Stadt dann plötzlich weiblich – auf eine noch etwas chauvinistische Art geht es da um ihren Sex Appeal – und Masterpläne werden plötzlich zum „Viagra für die Stadt“, das Standorten hilft, wieder „hoch zu kommen“. Bei näherer Beschäftigung mit seinen Büchern zeigt sich aber, dass sich die Innovationskraft dieses Autors und Beraters nicht nur auf neue Wortschöpfungen beschränkt. Die freche und belebende Wortwahl bewirkt dann eben auch neue Sichtweisen, eine neue Kreativität und neue Energie für die Arbeit an einer wirklich neuen Stadt der Zukunft. Also, es lohnt sich, der Empfehlung des Autors zu folgen: Ab ins Fitnessstudio mit den Innenstädten, schnell die Garderobe gewechselt und ab auf die Party! Get sexy! Wie das gehen kann, erfahren Sie hier.